Meridiane und Licht – zwei verschiedene Sprachen für den Körper?
Aktualisiert: 14. Sept.

Wenn jahrtausendealtes Erfahrungswissen auf moderne Forschung trifft
Auf den ersten Blick könnten die Welten kaum unterschiedlicher sein.
Auf der einen Seite steht die Traditionelle Chinesische Medizin. Ihre Vorstellungen von Qi, Meridianen und Punkten entwickelten sich über einen sehr langen Zeitraum.
Auf der anderen Seite stehen moderne Biophysik und Biophotonik mit empfindlichen Messinstrumenten, Laborversuchen und der Untersuchung von Lichtphänomenen in biologischen Systemen.
Und doch begegnen sich beide Perspektiven in unserer Arbeit an einem interessanten Punkt:
am menschlichen Körper und am Licht.
Zwei unterschiedliche Ausgangspunkte
Die Meridianlehre entstand nicht aus moderner Laborforschung. Sie gehört zu einem traditionellen medizinischen System mit einer eigenen Sprache und einem eigenen Verständnis körperlicher Zusammenhänge.
Die Biophotonenforschung dagegen untersucht messbare Lichtemissionen biologischer Systeme.
Beide Ansätze einfach gleichzusetzen wäre verführerisch – aber wissenschaftlich nicht sauber.
Wir können beispielsweise nicht behaupten:
„Biophotonen fließen durch die Meridiane.“
Für eine solche Aussage gibt es keinen allgemein anerkannten wissenschaftlichen Nachweis.
Und dennoch dürfen wir Fragen stellen.
Was lässt sich tatsächlich beobachten?
Wir wissen aus der Forschung, dass biologische Systeme äußerst schwache Photonenemissionen zeigen können.
Wir wissen ebenso, dass Licht mit biologischem Gewebe wechselwirken kann. Welche Wirkung Licht hat, hängt unter anderem von seiner Wellenlänge, Intensität, Dauer und dem jeweiligen Gewebe ab.
Die TCM wiederum kennt seit sehr langer Zeit definierte Punkte am Körper, die innerhalb ihres traditionellen Systems bestimmten Zusammenhängen zugeordnet werden.
Damit entstehen interessante Forschungsfragen.
Sind an solchen Punkten besondere Eigenschaften messbar? Wie reagiert Gewebe auf Licht unterschiedlicher Wellenlängen? Welche physiologischen Prozesse können durch Licht beeinflusst werden?
Nicht jede dieser Fragen ist abschließend beantwortet.
Nicht alles muss sofort dasselbe bedeuten
Vielleicht liegt gerade darin eine Stärke unserer Herangehensweise.
Wir müssen die Sprache der TCM nicht künstlich in die Sprache der modernen Physik übersetzen.
Qi muss nicht plötzlich ein Photon sein.
Ein Meridian muss nicht zu einer nachgewiesenen Lichtleitung erklärt werden.
Und ein Akupunkturpunkt wird nicht allein dadurch naturwissenschaftlich erklärt, dass man Licht auf ihn richtet.
Stattdessen können unterschiedliche Wissensgebiete nebeneinander betrachtet werden.
Die praktische Verbindung: Lichtpunktur
Bei der Lichtpunktur nutzen wir Punkte, deren Lage und traditionelle Bedeutung aus der TCM bekannt sind, und sprechen diese mit Licht an.
Daraus ergibt sich eine besondere Verbindung:
Das Wissen um den Punkt stammt aus der TCM. Das Medium, mit dem gearbeitet wird, ist Licht.
Für Remitter bedeutet das, beide Seiten kennenzulernen.
Sie beschäftigen sich mit Punktlehre und Meridianen ebenso wie mit den Grundlagen des Lichts und der Biophotonik.
Dabei geht es nicht darum, aus zwei Wissensgebieten vorschnell eine einzige Theorie zu machen.
Es geht darum, Zusammenhänge zu verstehen, Erfahrungen aufmerksam zu beobachten und offen zu bleiben für das, was Forschung künftig noch zeigen kann.
Zwischen Tradition und Forschung
Vielleicht brauchen wir manchmal zwei Sprachen, um einen Menschen zu betrachten.
Eine alte Sprache, die über Generationen aus Beobachtung und Erfahrung entstanden ist.
Und eine moderne Sprache, die misst, überprüft, verwirft und neue Fragen stellt.
Im Ratsam Bildungswerk möchten wir beide kennenlernen – ohne ihre Unterschiede zu verwischen.
Denn dort, wo zwei Perspektiven aufeinandertreffen, entstehen oft die interessantesten Fragen.


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